Der 70. Jahrestag, als der Schrecken ohne Ende begann, darf nicht einfach vorübergehen, ohne eine kleine Würdigung.
Gestern, am 1. September, sah ich in 3sat eine der Sendungen: Kanonendonner auf die Westerplatte. Kavallerie gegen Panzerdivisionen- die Polen hatten keine Chance, aber umso mehr Schneid. Ich gestehe, dass ich stolz darauf bin. Denn ich bin halber Pole.
Das hab ich von meiner Mutter, polnische Familie, aus Weissrussland durch die Bolschewiken vertrieben. Als 19jährige Lehrerin in Baranovice von der Roten Armee überrannt. Ihr Verlobter, der mein Vater hätte sein können, polnischer Leutnant. Auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ihm zu Ehren dieses Bild.

Der Verlobte meiner Mutter, im Krieg verschollen
Später kam meine Mutter in Gestapo-Haft. Dann als Zwangsarbeiterin nach Freising, wo sie bei Kriegsende meinen Schweizer Vater kennenlernte..
Irgendwie scheint mir das alles jetzt, nach 70 Jahren, näher als damals, 1976, als ich meine Verwandten in Danzig und auch die Westerplatte besuchte.
Denn eine Gewissheit ist in den Jahren in mir hochgekrochen: Die Banalität des Bösen ist noch mitten unter uns.
Und kein Schneid in Sicht, sich dagegen zu wehren.
Jan Stiefel
Schlagwörter: Böse, Krieg, Totalitarismus
5. September 2009 um 08:43
Zuerst Erstaunen, dann: Chapeau!
Erstens wegen der persönlichen Note. Gefühle machen Fakten authentisch. Zweitens wegen der Aussage: Da waren Menschen, die dem Terror entgegengetreten sind!
Doch das macht mich auch nachdenklich. Wenn damals unter weitaus schwierigeren Verhältnissen (naive Umschreibung) Zivilcourage möglich war, warum sieht man denn hier und heute so wenig davon? Auch hier und heute gibt es genügend Themen, die eine kritische Auseinandersetzungen verlangen! Macht Meinungsfreiheit etwa auch stumm und und gefügsam?
Und so appelliere ich als, so wie ich das überblicke, einzige Bloggerin weit und breit bei AidRating: Schreibt doch, was ihr seht, schreibt, was ihr denkt! Lasst euch kein X vor dem U vormachen! EZA hat auch mit Zivilcourage zu tun! Und Widerwärtigkeiten hinter schönen Fassaden gibt es allemal.
Ist doch langweilig einsame Statements abzugeben. Dabei scheint mir das Thema so ergiebig! Würde mich gerne mal mit jemandem argumentativ reiben!
Gerade (Sa 5.September 9 Uhr) geht die DRS2-Nachricht über den Sender, dass die DEZA mehr Transparenz zu ihren Ausgaben verspricht…Wie kommt’s? Entscheidung aus freien Stücken? Wohl kaum.
Wie war das mit dem X vor dem U??
Doch schön und Recht so. Sollten dann neben den finanzpolitischen Schritten nicht endlich auch nötige Überlegungen und Schritte bezüglich Transparenz und Inhalt der EZA folgen?
AidRating gibt mir da interessante und machbare Inputs zu denken.
16. September 2009 um 12:49
Erlösung naht. Sie sind nicht mehr die einzige Bloggerin. Jetzt sind wir schon zu zweit.
Ich teile Ihre Meinung bezüglich fehlender Zivilcourage und habe damit so meine Erfahrungen gemacht.
Ich war während 16 Jahren als Lehrer an der kantonalen Weiterbildungsschule EB Zürich tätig. Im Jahre 2005 hatte ich bei Orell Füssli das Buch «Goodbye Management» veröffentlicht. Darin nehme ich einige Vorkommnisse an der Schule und im Bildungswesen satirisch aufs Korn. Das hatte gereicht. Ich wurde von der Zürcher Bildungsdirektion entlassen und sofort freigestellt.
Ich habe gegen die Entlassung rekurriert. Hauptargument: Verletzung der verfassungsrechtlich garantierten Meinungsäusserungsfreiheit.
Der Regierungsrat als erste und das Verwaltungsgericht als zweite Instanz wiesen den Rekurs ab. Ich habe den Rekurs ans Bundesgericht weitergezogen. Seit acht Monaten gammelt der Rekurs in irgend einer bundesrichterlichen Schublade vor sich hin.
Der Rektor der EB Zürich, der die Entlassung verlangte, der Präsident der Aufsichtskommission der Schule, der sie formal beantragt hatte und Regierungsrätin Regine Aeppli, die die Entlassung letztlich verantworten muss, sind alle in der SP. Der Rektor bezeichnet sich sogar als Achtundsechziger und Sozialisten.
Drei, vier Lehrerkollegen und Kolleginnen schrieben mir in Mails, sie fänden eine Entlassung wegen eines Buches «daneben». Für mehr reichte der Mut nicht. Vor dem Rektor und der Bildungsdirektion schwiegen sie. Den restlichen rund 150 LehrerInnen war es egal.
Alle haben Angst vor Liebesentzug und Jobverlust.
Kennen Sie den Unterschied zwischen der Wirbelsäule und dem Rückgrat? Eine Wirbelsäule haben alle Leute.